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Es werden Posts vom Juli 12, 2022 angezeigt.

Die Historikerin Sarotte und der Kohl-Besuch am 10. Februar 1990

Die Historikerin Marie Elise Sarotte über den Kohl-Besuch am 10.2.90 in Moskau Für EinsteigerInnen, die einen ersten Überblick suchen, mögen die diversen Schriften von Mary Elise Sarotte hilfreich sein. Sonst m.E. wohl eher nicht aufgrund gehäufter handwerklicher und methodischer Schwächen.  Ein typisches Beispiel scheint mir ihre Schilderung der Episode des Bundeskanzler-Besuches am 10. Februar 1990 in Moskau zu sein. Sarotte ,  Führungsduo ?, in:  Geiger  u.a. (Hrsg.),  Zwei plus Vier. Die internationale Gründungsgeschichte der Berliner Republik  (2021), S. 47-63, hier S. 60 f. Ein einem ‚Vier-Augen-Gespräch‘ Kohl-Gorbatschow am Spätnachmittag des 10.2. gab es u.a. folgenden Wortwechsel: M. S. Gorbacˇev:  Wahrscheinlich kann man sagen, dass zwischen der Sowjetunion, der BRD und der DDR keine Meinungsverschiedenheiten in der Frage der Einheit der deutschen Nation bestehen und dass die Deutschen diese Frage selbst entscheiden. Kurzum, im wichtigst...

Genscher in Tutzing, mit Baker in Moskau (Januar/Februar 1990)

  Genscher in Tutzing, mit Baker in Moskau (Januar/Februar 1990) Was in der kreativen Rückschau und Rückprojektion inzwischen öfter gänzlich übersehen wird, damals wiederum nicht: Sowohl Genschers Tutzinger Äußerungen von Ende Januar und Bakers gesamte Ausführungen am 9.2.90 in Moskau gegenüber Gorbatschow negieren eine Neutralität Gesamt-Deutschlands, und beide Positionen enthalten ex- wie implizit die Mitgliedschaft eines geeinten Deutschland in der NATO und die unverminderte NATO-Präsenz wie bisher. Ebenso werden Überlegungen einer jeweils weiterbestehenden Bündnis-Mitgliedschaft für das Gebiet der BRD (NATO) und der DDR (WVO) in einem geeinten Deutschland nicht unterstützt. Militärisch wie militärstrategisch, das betont Gorbi damals immer wieder, stellte die DDR den mit Abstand wichtigsten, bedeutendsten Standort außerhalb der Sowjetunion dar. Sinngemäß erklärte er beispielsweise US-Präsident Bush irgendwann im Mai 1990, dass Lösungen nach Vorstellungen, die Sowjetunion ge...

Die sowjetische Lage und Position Februar bis April/Mai 1990

  Die sowjetische Lage und Position Februar bis April/Mai 1990 Bei einer systematischen Quellen-Auswertung bzw Auswertung der sowjetischen Quellenedition Galkin/Tschernjajew , Michail Gorbatschow (2011), des Zeitraums Februar-Mai 1990 wird klar sichtbar, für Gorbatschow/Schewardnadse waren die anfänglich teils gefallenen Äußerungen hinsichtlich einer Nichtausdehnung der Nato auf DDR-Gebiet oder eines gewissen Sonderstatus des DDR-Gebietes vollkommen uninteressant, da beide bis Mitte/Ende Mai 1990 - mit gewissen Schwankungen - schlicht immer nur die Neutralität, die insgesamte NATO-Nichtmitgliedschaft eines geeinten Deutschland (akzeptieren) wollten. Zu keinem Zeitpunkt gingen sie auf jene Äußerungen ein, wiederholten sie sie als Einverständnis, vertieften sie diese als Ausgangsbasis, noch beriefen sich die beiden Sowjet-Politiker später darauf in den 2+4-Verhandlungen. Nie. Mitterand verdeutlichte entsprechend in einem Gespräch mit Gorbatschow Ende April 1990 sinngemäß und sch...

Geschichte der Legende von der NATO-Zusage der Nichtausdehnung nach Osten

Geschichte der Legende von der NATO-Zusage der Nichtausdehnung nach Osten  Natürlich gehört die Recherche der Entstehung und Geschichte dieser Legendenbildung zum Grundwerkzeug/Handwerkszeug substanzieller wissenschaftlicher Arbeit. Die russo-sowjetische Legendenbildung über vermeintlich gebrochene Versprechen bei den 2+4-Verhandlungen oder womöglich auch davor, setzt in der zweiten Hälfte der 1990er Jahren ein. So auch meine ungefähre Erinnerung. So wird in der wissenschaftlichen Arbeit  Ist Rußlands Nein endgültig?  von  Boris A. Schmeljow , dem früheren Vizedirektor der Diplomatenakademie des sowjetischen Außenministeriums, bei Publikation der Arbeit 1996 als Professor am Institut für Weltwirtschaft und Politische Studien der Russischen Akademie der Wissenschaften (Moskau) tätig, bei seiner Darstellung der Position entscheidender, bedeutsamer gesellschaftlicher und politischer Akteure bzw. Gruppierungen, Parteien und Institutionen in Rußland zu einer...

Die NATO-Zusage der Nichtausweitung und die diplomatischen Gepflogenheiten (damals)

  Die NATO-Zusage der Nichtausweitung und die diplomatischen Gepflogenheiten (damals) Diplomatische Gepflogenheiten: wichtige Treffen werden i.d.R. von den Regierungschefs samt den Fachministern bestritten wichtige Übereinstimmungen werden stets durch Formeln wie A: 'ich ziehe mal ein Resümee, aus meiner Sicht, unserer Gespräche/unseres Gespräches...', 'ich ziehe mal einen Zwischenstand, aus meiner Sicht, ....'und der expliziten Bestätigung der Richtigkeit der Wiedergabe des Gesprächsverlaufes durch B festgehalten, B wird die Bestätigung meist mit begleitenden Worten und vielleicht Erläuterungen versehen, ggf. korrigieren oder verwerfen wichtige Übereinstimmungen werden in aller Regel wenig später gleichen Tages bei einer offiziellen Pressekonferenz gemeinsam bekannt gegeben üblicherweise darf hier die eingeladene Partei, hier A, zuerst die Ergebnisse aus ihrer Sicht darstellen spätestens hier kann die einladende Partei, hier B, nach den Erklärungen von A die aus S...

Die Nichtausweitung & die frühe Situation & frühe biographische & wissenschaftliche Literatur

  Die NATO-Zusage der Nichtausweitung und die frühe Situation und frühe biographische und wissenschaftliche Literatur  Entlang des Themas dieses Bloggs geht es in diesem Beitrag erneut um vermeintliche Versprechen/Täuschung der Moskauer Führung bzw. ein vermeintlicher, gewisser Bruch mit diplomatischen Gepflogenheiten, besonders auf der Ebene zwischen Moskau und Washington D.C. wegen der schon genannten, nicht abgesprochenen Äußerungen von US-Außenminister Baker am 9. Februar 1990 in Moskau oder auch Genschers Ende Januar 1990, allesamt vor Beginn des gemeinsamen Beschlusses der Außenminister der beiden Deutschland sowie der Vier Mächte in Ottawa am 13.2.1990, in den 2+4-Konferenzen die äußeren Aspekte der Herstellung der deutschen Einheit sowie Sicherheitsfragen der Nachbarn zu erörtern, gefallen. Erneut sei auf diverse Literatur aus den 1990ern hingewiesen, die nochmals wissenschaftlich valide belegen kann, dass die sowjetische Führung sich keineswegs getäusc...

Die Situation in der Russischen Föderation 1994

Die Situation in der Russischen Föderation bzw. im Gebiet der Ex-Sowjetunion 1994  Als Beispiel für die Situation damals Anfang 1994, nach gewaltsamer wie blutiger Lösung des Verfassungskonfliktes zwischen Yeltsin und dem Kongress der Volksdeputierten der RSFSR im Herbst 1993 nach der Staatsduma-Wahl Anfang Dezember 1993 mit dem Wahlerfolg der nationalistischen, rechtspopulistischen LDPR unter Führung von Schirinowki nach Inkrafttreten der neuen Verfassung Russlands Ende Dezember 1993 mit einer umfassenden, kaum noch kontrollierbaren Präsidentenstellung notiert ein  SPIEGEL-Artikel vom 9.1.1994, "Die Knute zeigen"  in der Einleitung: Die wilden Sprüche und Drohungen des Rechtsradikalen Schirinowski haben dem Westen die neue Gefahr vor Augen geführt, die von Moskau ausgehen kann. Osteuropäische Staaten verlangen den sofortigen Beitritt zur Nato - den die Allianz nicht gewähren will, um Rußlands Nationalisten nicht zu provozieren.​ Und im Artikel u.a. weiter: In den S...

NATO-Zusage der Nichtausweitung nach Osten 1990? Einstieg B

    Das historisch-wissenschaftlich zutreffende Fazit der Arbeit: 3. Fazit Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass in einem frühen Stadium der Gespräche zur deutschen Einheit im Rahmen der Verhandlungsdiplomatie zwar Äußerungen getätigt worden waren, die auf eine mögliche Bereitschaft der NATO zum Verzicht auf eine Ostausdehnung hätten schließen können. Diese Äußerungen entfalteten aus völkerrechtlicher Sicht nach Inkrafttreten des Zwei-plus-Vier-Vertrages am 15. März 1991 allerdings keine Bindungswirkung. Der sowjetischen Führung hätte damals – darüber besteht in der Politikwissenschaft weitgehende Übereinstimmung – bereits klar sein müssen, dass mit den betreffenden Äußerungen eine völkerrechtlich verbindliche Zusage zu einem Verzicht auf eine NATO-Osterweiterung nicht vorgelegen hat, zumal diese sowohl im Fortgang der Zwei-plus-Vier-Gespräche nicht aufrechterhalten als auch nach der deutschen Wiedervereinigung von entscheidenden westlichen Politikern explizit ni...

NATO-Zusage der Nichtausweitung nach Osten 1990? Einstieg A

   Wurde 1990 eine verbindliche Zusage gegeben, die NATO generell & dauerhaft nicht nach Osten auszuweiten? Die aktuell wiederholt auflebende Diskussion um mögliche verbindliche Zusagen 'westlicher' Entscheidungsträger bzw. von Regierungschefs und Regierungsangehörigen der drei westlichen Alliierten, den früheren westlichen Siegermächten über das besiegte NS-Deutschland, gegenüber den Führungsspitzen der sowjetischen Regierung in den Begegnungen und Treffen besonders im Rahmen der Gespräche und Diskussionen, Erörterungen und Verhandlungen zur Zukunft der beiden deutschen Staaten über eine Nicht-Erweiterung der NATO nach Osten, zeigt einmal mehr, dass substanzielle historische bzw. geschichtswissenschaftliche Kenntnisse eine gute Grundlage bieten, die damaligen komplexen Situationen und Entwicklungen differenziert zu verstehen und darstellen zu können. Für einen Zeitgenossen jener Jahr überraschen gewisse Darstellungen zum Thema, die seit Jahren wiederholt, neu vertieft und...